Da, wie bereits in vorhergehenden Artikeln erwähnt Adobe die Public Beta von Photoshop CS6 veröffentlicht hat und ich aufgrund der vielen schönen Neuerungen gerne komplett darauf umsteigen würde stand ich vor einem Problem.
Denn Photoshop CS6 wird es nur noch in einer 64-Bit Version für den Mac geben. Das heißt, dass der Betrieb im 32-Bit Modus, wie noch mit CS5 möglich, in Zukunft nicht mehr unterstützt wird.
Das ist eigentlich keine große Sache, denn man ist ja eigentlich froh, wenn man die Vorteile von 64-Bit Programmen nutzen kann, wie etwa die Möglichkeit dem Programm zugriff auf mehr als 4GB Ram zu geben. Doch gibt es ein Problem mit den 64-Bit Programmen: Auch alle Plug-Ins müssen 64-Bit Kompatibel sein. Und genau hier schlafen leider manche Plug-In Entwickler.
Ganz konkret gibt es keine 64-Bit Version des von mir bis dato genutzten Imagenomic Noiseware Professional Noise Reduction Plugin.
Und weil es mich schon längere Zeit nervt, dass ich aufgrund eines einzelnen Plug-Ins auf die 32-Bit Version von Photoshop angewiesen bin und CS6 jetzt gar nicht mehr mit Noiseware kompatibel ist, so lange von Imagenomic kein Update kommt, habe ich mich entschlossen einen Vergleichstest zwischen den bekanntesten Noise Reduction Plug-Ins zu machen.
Getestet wurden Nik Dfine 2.0, Topaz Denoise 5, Neat Image 7.1, PictureCode Noise Ninja 2.3.5, Adobe Photoshop Noise Filter und Imagenomic Noiseware Professional.
Hier ein kurzer Vergleich der wichtigsten Eckdaten der jeweiligen Photoshop Plug-Ins:
| Name |
Nik Dfine 2.0 |
Topaz Denoise 5 |
Neat Image 7.1 |
Noise Ninja 2.3.5 |
Noiseware Professional 4.1 |
Adobe Photoshop |
| Mac 64-Bit |
Ja |
Ja |
Ja |
Nein |
Nein |
Ja |
| Preis |
120€ |
79,99€ |
66,90€ (Pro) |
79,95€ |
69,95€ |
integriert |
| 16-Bit Farbiefe |
Ja |
Ja |
Ja |
Ja |
Ja |
Ja |
Bis auf Nik Dfine 2.0 liegen also alle Kandidaten im selben Preissegment. Wir werden sehen, ob sich dieser Preisunterschied auch in der Praxis bemerkbar macht.
Testbild 1 – Adler

Das ist schon das fertig bearbeitete und entrauschte Bild. Es soll nur darum gehen, dass ihr sehen könnt, wo die 100% Ansichten in den folgenden Vergleichen herkommen.
Dieses Bild eignet sich sehr für einen Vergleich der Noise Plug-Ins, da es rund um den Schnabel sehr feine Strukturen gibt, die möglichst nicht vermatscht werden sollten, es aber im Bokeh auch deutlich sichtbares Rauchen gibt, das möglichst homogen entfernt werden sollte. Und das ganze natürlich ohne, dass ich irgendwelche Masken anlege und den Entrauschvorgang so manuell selektiv anwende.
Hier der erste Ausschnitt. Zum Vergleich der angewendeten Software einfach die Maus über den jeweiligen Button bewegen.
Hier fällt bereits nach kurzer Betrachtung auf, dass die Photoshop interne Methode am wenigsten Detailzeichnung hat. Und wenn man etwas länger vergleicht fällt einem auf, dass das Ergebnis von Noise Ninja sogar schärfer als das Original ist. Hier wurde offensichtlich deutlich nachgeschärft. Trotzdem hat Noise Ninja im Gelbbereich des Schnabels eine gute Entrauschung hingelegt.
Für mich bleibt nach diesem ersten Vergleich folgendes Festzuhalten: Noise Ninja setzt sich in den Details leicht vor die breite Masse. Photoshop liegt auf Grund der entstehenden Unschärfe bereits sehr weit hinten.
Weiter geht es mit dem Vergleich im Bokeh unten am Flügel.
Hier sieht man im Original ganz ordentliches Rauschen an der EOS 7D bei ISO 800. Allerdings muss man sich vor Augen halten, dass es sich um 100% Ansichten von relativ dunklen Bereichen handelt.
Man sieht, dass Photoshop, obwohl es die Details im ersten Teil deutlich vermatscht hat, hier trotzdem keine schönen homogenen Farbübergänge hinbekommt.
Noiseware Professional greift hier am stärksten ein und sorgt auch für sehr homogene Farbübergänge.
Das Ergebnis von Topaz Denoise ist etwas fleckig.
Noise Ninja entrauscht relativ sachte und der Rest liegt im Wesentlichen gleich auf.
Das ist für mich ein Punkt für Noiseware und jeweils ein Minuspunkt für Photoshop und Topaz Denoise.
Testbild 2 – HDR
Kommen wir nun zu einem anderen Bild. Ich arbeite relativ häufig mit der HDR-Technik und dabei kann es je nach verwendeter Bearbeitungstechnik zu sehr starkem Rauschen, beispielsweise im Himmel aber auch in anderen Bildregionen kommen.
Hier zunächst wieder das fertige Bild um euch einen Überblick zu verschaffen.

Auch hier wollen wir uns zunächst einen Bildbereich ansehen, in dem möglichst viele Details erhalten bleiben sollten.
Das Beste Bild gibt hier nach meinem Geschmack Noiseware Professional ab, da es zwar in den etwas homogeneren Bereichen sehr gut entrauscht, es aber zusammen mit Neat Image die Kanten noch am schärfsten lässt. Ausser Photoshop, das bereits völlig Abgeschlagen hinter der Konkurenz liegt, sind die Ergebnisse der anderen Plug-Ins auf einem Niveau.
Jetzt soll es um den stark verrauschten Himmel gehen.
Hier zeigt meines Erachtens auch wieder Noiseware das beste Ergebnis. Das fällt besonders dann auf, wenn man auf die dunklen Palmwedel in etwa der Mitte des Bildes achtet. Hier erhält Noiseware im Vergleich zu den anderen Plug-Ins die meisten Details in der Palme. Zudem wird das Rauschen im Himmel ziemlich homogen und ohne Flecken gemindert.
Geschwindigkeit
Ich finde es eigentlich nicht besonders schlimm, wenn das Entrauschen ein bisschen länger dauert, wenn das Ergebnis dafür stimmt, aber trotzdem sollte es erwähnt werden, dass auf meinem Rechner Neat Image mit deutlichem Vorsprung am schnellsten von allen getesteten Plug-Ins war. Danach kamen im gleichen Geschwindigkeitsbereich Noiseware Professional und Noise Ninja, danach kam Nik Dfine 2.0 und wirklich SEHR langsam waren Topaz Denoise und Photoshops interne Entrauschung.
Also würde ich sagen, dass hier Neat Image diesen Punkt bekommt und Topaz Denoise bzw. Photoshop einen Minuspunkt bekommen.
Fazit
Bevor ich anfange über meine Sicht der Ergebnisse zu schreiben möchte ich festhalten, dass es hier bis auf die groben Ausreißer immer nur um meine persönliche Sicht auf die Dinge geht. So geht es manchen so, dass sie Rauschen in Bildern abgrundtief hassen und sie deshalb ungeachtet der Detailerhaltung im Bild lieber etwas mehr entrauschen. Ich gehöre jedoch zu der anderen Seite, die lieber etwas Rauschen im Bild hat und dafür mehr Wert auf die Erhaltung von Details legt. Genau in diesem Licht muss auch das Fazit gelesen werden.
Für mich geht nach den Tests mit leichtem Vorsprung Imagenomic Noiseware Professional als Sieger vom Platz. Es erzielt im Bokeh des Adler Bildes eine sehr gute Rauschunterdrückung und das nur auf minimalen Detailverlust am Schnabel, wenn man das Ergebnis mit dem Originalbild vergleicht. Sicher hatte Noise Ninja sogar noch mehr Details im Schnabelbereich, doch kam das nur aufgrund von zusätzlichem Scharfzeichnen zustande. Und das kann man ja noch manuell nachholen, wenn einem danach ist.
Nach Noiseware kommen für mich Picturecode Noise Ninja und Neat Image. Beide lieferten auch sehr gute Ergebnisse und Neat Image besticht geradezu durch seine wahnsinnige Geschwindigkeit.
Danach kommt Nik Dfine 2.0, dessen Ergebnisse irgendwie immer knapp hinter denen von Noise Ninja und Neat Image lagen, das jedoch deutlich teurer als die anderen Plug-Ins ist und zudem auch noch langsamer als die Konkurenz arbeitet.
Etwas abgeschlagen kommt dann Topaz Denoise und ganz zum Schluss die Photoshop interne Lösung, von deren Benutzung ich ehrlich gesagt abraten muss, da die Ergebnisse damit wirklich in keinster Weise mit denen der anderen Kandidaten mithalten können.
Für mich selbst hat sich somit mein ursprüngliches Problem leider nicht gelöst. Eigentlich wollte ich ja aufgrund der nicht vorhandenen 64-Bit Unterstützung des Photoshop Plug-Ins von Noiseware zu einem anderen Plug-In wechseln. Doch daraus wird wohl vorerst nichts, da mir die Bildqualität immer wichtiger ist als ein etwas vereinfachter Workflow. Somit werde ich wohl warten müssen bis Imagenomic endlich in die Pötte kommt und nach all den Jahren ein 64-Bit Kompatibles Update für Noiseware bringt.
Ich hoffe unser Test konnte euch, falls ihr auch noch unentschlossen seid welches Plug-In ihr euch zulegen sollt, weiterhelfen. Vielleicht seht deutet ihr die Ergebnisse ja auch etwas anders als ich und habt euch deshalb für einen anderen Testsieger entschieden. Falls das so ist, dann würde ich mich freuen, wenn ihr eure Meinung in einem Kommentar hinterlassen würdet